Spirulina - eine kurze Geschichte

Spirulina und die Entstehung des lebens

Sie war lange vor uns da. Lange bevor die Welt so aussah, wie wir sie heute kennen: Schon vor 3,5 Milliarden Jahren bewohnte ein Lebewesen die Erde, das wir mit dem bloßen Auge kaum sehen können: die Spirulina Alge, Wissenschaftlich Arthrospira Platensis genannt.

Im Süßwasser der ersten Urseen gedieh die mikroskopisch kleine Alge prächtig. Doch auch an Land regte sich völlig neues Leben auf dem noch fast unbewohnten Planeten: Als die Luft auf der noch jungen Erde langsam begann sich zu verändern und sich mit immer mehr Sauerstoff anreicherte, entwickelten sich erste Pflanzen und Tiere. So breitete sich das Leben vom Wasser auf das Land aus – und formte über Milliarden von Jahren die Welt, wie wir sie heute kennen – und brachte schließlich auch uns selbst hervor.

Wegen ihrer kräftigen grün-blauen Farbe (griech. Cyano) wird Spirulina und ihre Familie auch als Cyanobakterien bezeichnet. Das tiefe Blau-Grün verdankten die Einzeller einem Farbstoffe, dem natürlichen Pigment Phycocyanine. Mit ihrer Größe von 0,3 mm kann man sie schon fast mit dem bloßen Auge sehen. Ihre volle Schönheit entfalten sie allerdings erst unter dem Mikroskop: Wie winzige Spiralen winden sie sich um ihre eigene Achse und erinnern dabei an kleine Federn. Die herrliche, tiefgrüne Farbe verdanken sie ihrer Fähigkeit, Sonnenlicht in Energie zu verwandeln: Biologen nennen diesen Vorgang, der Pflanzen wie die Spirulina in saftigem Grün erstrahlen lässt Photosynthese. Bei diesem Prozess nimmt die Spirulina das Treibhausgas Kohlenstoffdioxyd auf und macht daraus Sauerstoff – den wir alle zum Leben brauchen.

spispirulina alge mikroskopie

Ein Traditionelles Lebensmittel

Die Ureinwohner Mexikos waren die ersten Menschen, die Spirulina für sich entdeckt haben. Mit Körben holten die Azteken die Algen schon vor fast 500 Jahren aus dem Texcoco-See (Francisco Lopez, 1540). Sie trockneten sie in der Sonne und formten daraus nahrhaftes Fladenbrot, das sie Tecuitlait nannten. Um das Tecuitlait rankt sich eine alte Sage der Azteken: Die Legende besagt, dass die Herrscher der Azteken Meeresfisch liebten. Da ihr Palast aber viele Tagesmärsche vom Meer entfernt war, ließen Sie die schnellsten Läufer ihres Reiches antreten, um in Staffeln Fisch und Meeresfrüchte vom Meer direkt an ihren Hof zu bringen. Da ihre Fracht ohne Kühlung schnell verdarb, mussten die Läufer so schnell laufen wie sie nur konnten. Für ihre Ausdauer hatten die Sportler einen Geheimtipp: Tecuitlait, das Rohkost Fladenbrot aus Spirulina.

Doch die Azteken sind nicht die einzigen, die die Blau-Alge lieben: Am Texcoco-See lebten tausende von kleinen Flamingos. Mit ihren Schnäbeln filtern sie frische Spirulina aus dem See. Eine Delikatesse für Flamingos. Forscher nehmen an, dass der hohe Anteil an Beta-Carotinen dem Gefieder der Flamingos die leuchtende rosa Farbe verleiht. Wir haben es diesen wertvollen Botschaftern zu verdanken, dass die Spirulina von See zu See wanderte. Willkommen bei Flamingo Air!

In den Natürlichen Seen

Spirulina lebt wild in einigen Süßwasserseen auf unserem Planeten. Unter ganz bestimmten Bedingungen gedeiht sie schnell und bildet sogenannte Wasserblüten. Diese Bedingungen entsprechen den ihres Ursprungsbiotops von vor 3,5 Milliarden Jahren: Wassertemperatur zwischen 20 und 40° C, bei alkalischem pH von 9 bis 11! und reich an Mineralsalzen. Einheimische ist sie in den Tropen, in Indien, Afrika, Burma, Lateinamerika und selbst in der Camargue in Frankreich konnten wir die kleine spiralförmige Alge finden.

Sie wird seit jeher vom Volk der Kanembou am Tschad-See gegessen. Jeden Tag gehen die Frauen ans Ufer, um frische Spirulina zu ernten. Sie wird im Sand gefiltert, in der Sonne getrocknet und ebenfalls zu kleinen Fladenbroten verarbeitet, die hier „Dihé“ genannt werden. Der Kuchen wird zerbröselt und Hirse und Saucen beigemischt.

See in der Camargue

Eine westliche Neuentdeckung

In den 60er-Jahren entdeckte ein belgischer Forscher die Alge neu. Der Botaniker fand die grünen Kuchen auf den Märkten um den Tschad-See. Er entnahm eine frische Probe aus dem See und untersuchte sie. Er entdeckte das Lebensmittel mit dem höchsten Proteinanteil: zwischen 60 und 70 % Eiweiß. Von da an Stieg Spirulina zu Sternschnuppe der Welt Organisationen auf: von der UNESCO über die FAO bis zur UNO wurden ihre Eigenschaften hochgelobt. Ihr Potenzial bei der Bekämpfung von Kindes Mangelernährung wurde anerkannt. Leider wurden nur wenige Projekte nachhaltig durchgeführt.

Es wird heute in verschiedenen Richtungen geforscht, von Ernährung bis zu Energie und von Medizin bis zu Kosmetik. Die Raumfahrtbehörden haben Bioreaktoren entwickelt, die eine Kultur im Weltall ermöglichen (Projekt CELSS). Hier steht Spirulina als wichtigster Katalysator im Kreislauf eines bemannten Raumschiffes. CO2 und Bioabfall werden durch Lichtenergie „upcycled“ in Sauerstoff und Nahrung.

Spirulina ernte am Tchad see

Von der Industrie zum kleinbäuerlichen Ansatz

Die ersten Spirulina-Farmen mit industriellem Ansatz entstanden bereits in den 80er-Jahren: in den USA und Mexiko, später in Indien und China. Kilometerlange Becken … Alge, so weit das Auge reicht!

Heute entsteht ein neues Modell, das auf einem kleinbäuerlichen Ansatz beruht. Es sind Farmen, die eine menschliche Dimension behalten, die ein bis zwei Leute beschäftigen. Sie haben eine Beckenfläche zwischen 150 bis 1500 m2 und produzieren zwischen 100 und 1500 kg im Jahr. In Europa, wo es keine Spirulina-Massenproduktion gibt, liegen 99 % der Farmen im Mittelmeerraum, wo die klimatischen Bedingungen für die Algen am günstigsten sind.

Spirulina ernte in Indien

Anbau von Spirulina

Der Anbau ist saisonal, Spirulina liebt die Hitze und die Sonne, geerntet wird von Mai bis Oktober fast täglich:

Ernten > Pressen > Extrusion (bringt die Spirulina-Masse in Form) > Trocknung = Spirulina-Granulat

Die Trocknung ist ein Schlüsselmoment in der Produktion: Bei Temperaturen unter 42° C (fieber T°C) bleiben alle Nährstoffe erhalten, dies über 4 bis 5 Stunden, um sie gut zu entwässern. Diese schonende Methode verleiht der Spirulina ihren milden knusprigen Geschmack, und steht für eine Spirulina in Rohkost-Qualität.

Das Trocknen in klein-bäuerlichen Farmen ist ein wesentlicher Unterschied zu industriellen Betrieben. Hier wird durch Pulverisierung getrocknet. Dieses Verfahren findet man bei der Herstellung von Milchpulver. Dabei wird die Spirulina für Sekunden Druck und Hitze ausgesetzt, was ihre Struktur und Zellen schwer beschädigt. Unterm Mikroskop ist sie nicht mehr als kleine Feder erkennbar. Das feine Pulver wird sehr schnell oxidiert, was die Assimilierbarkeit der Nährstoffe beeinträchtigt und den starken Geschmack und Geruch der industriellen Spirulina ausmacht.

Ganz im Gegenteil zu frischer Spirulina, die einen sehr milden und cremigen Geschmack hat. Auf einem Brot mit Frischkäse ein Genuss, kommen Sie uns auf unseren Farmen besuchen, und probieren Sie diese frische!

Spirulina ernte Spirulina kuchen Spirulina spagetti

Wie erkenne ich eine Gute Spirulina?

Das ausschlaggebende Merkmal von Rohkost-Spirulina ist ihre Form: Als Granulat in Spagetti, Flocken … alles außer Pulver, Kapsel oder Presslingen.

Man kann auch klein-bäuerliche Spirulina in Pulverform finden, aber hier muss man sich informieren, wie sie hergestellt und getrocknet wurde; wenn es nicht erwähnt wird, ist es leider immer industriell hergestellte Spirulina.

Spirulina Blüte

Spirulina und Mangelernährung bei Kindern

Mangelernährung ist eines der größten Weltprobleme, insbesondere bei Kindern, wo sie verheerende Folgen auf die Entwicklung haben kann. Ein Ansatz schon zu Beginn der „Neu“-Entdeckung der Spirulina war ihr Potenzial im Kampf gegen Mangelernährung. In unseren Breiten ist sie seitdem als Nahrungsergänzungsmittel bekannt.

Viele Nichtregierungsorganisationen (z. B. Antenna Technologies) wie die FAO fördern und unterstützen den Anbau und die Verteilung von Spirulina gegen die Mangelernährung von Kindern insbesondere in Afrika südlich der Sahara und in Indien. Sie wird hier dem Brei beigemischt, in den meisten Fällen kann man schon nach einem Monat signifikante Verbesserungen sehen.

Dieser Ansatz wird durch die Verbreitung des klein-bäuerlichen Anbaus gefördert. Wir und die Föderation der „Spirulinier de France“ arbeiten eng zusammen mit Partnerfarmen aus Burkina Faso und Indien, um eine hochwertige Spirulina anbieten zu können. Der faire Direkthandel, den wir anstreben, unterstützt soziale Einrichtungen und erlaubt ihnen, eine hochwertige lokale Spirulina zum Herstellungspreis vor Ort anbieten zu können.

Wir unterstützen auch den Verein „Univers le Vie“, der kostenlos Spirulina an bedürftige Kinder verteilt. Akal Food spendet jährlich 1 % seines Umsatzes an diesen Verein.

www.universlavie.org

Spirulina ernte Afrika

Spirulina und erneuerbare Energien

Spirulina benötigt vor allem Wärme, um zu leben. Dies setzt in unseren Breiten ein Wärmenutzungskonzept voraus. Im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien wie Biogas-Anlagen bietet die Spirulina-Kultur einen geschlossenen landwirtschaftlichen Kreislauf. Mehr Infos unter www.hyes.eu

Dieses Zusammenspiel erlaubt es, Spirulina in unseren nördlichen Breiten zu kultivieren. Der Anbau war bis vor Kurzem nur in wärmeren Regionen möglich. Akal Food ist der erste Anbieter von Spirulina, die aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Sie stammt aus Frankreich und Deutschland.

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