Zukunftsmusik aus dem Wasser

Schon vor 3,5 Milliarden Jahren bewohnten Lebewesen die Meere. Es handelte sich um Phytoplankton. Unter diesen befanden sich die Spirulina-Algen, von Wissenschaftlern Arthrospira genannt.

Im Süßwasser der ersten Urseen konnte die mikroskopisch kleine Alge wunderbar gedeihen. Auf der noch jungen Erde begann sich die Luft zu verändern. Nach und nach wurde sie mit Sauerstoff angereichert. So entwickelten sich die ersten Pflanzen und Tiere.

Aufgrund ihrer kräftigen grün-blauen Farbe (griech. Cyano), die sie dem blauen Pigment Phycocyanin und ihrer Fähigkeit, Sonnenlicht in Energie zu verwandeln verdanken, werden die Spirulina-Algen und ihre Artverwandten auch als Cyanobakterien bezeichnet.

Mit ihrer Größe von 0,3 mm sind sie schon fast mit dem bloßen Auge sichtbar. Ihre volle Schönheit entfalten sie jedoch erst unter dem Mikroskop. Wie winzige Spiralen winden sie sich um ihre eigene Achse und erinnern dabei an kleine Federn.

Plankton auf dem Teller

Cyanobakterien sind das erste Glied in der Nahrungskette und standen schon früh auf dem Speiseplan der ersten Räuber. In der Neuzeit waren es die Flamingos, die es uns vormachten. Die Azteken schauten es sich ab. Mit Körben holten die Azteken die Algen schon vor 500 Jahren aus dem Texcoco-See. Sie trockneten und formten daraus nahrhaftes Fladenbrot, das sie „Tecuilat“ nannten. Es soll eine regelrechte Landwirtschaft um das grüne Fladenbrot gegeben haben. Die Geschichte erzählt, dass die Laufboten im Reich der Azteken sich mit Tecuilat stärkten.

Spirulina wurde uns auch von den Kanembou aus dem Tschad-See überliefert. Noch heute werden die Algen dort geschöpft. Dazu werden sie in eine runde Kuhle aus Sand gegossen und dort tagsüber zu einem grünen Kuchen getrocknet. In der Dämmerung werden die Kuchen, „Dihé“ genannt, in Stücke gebrochen und am nächsten Morgen auf dem Markt verkauft.

Ein belgischer Botaniker entdeckte das Dihé auf einem solchen Markt, kaufte ein Stück, dokumentierte die Ernte und entnahm dem See Proben. Er war beeindruckt vom besonders hohen Gehalt an Eisen und Eiweiß sowie der sonstigen wertvollen Inhaltsstoffe.

Als die UN in den 70er-Jahren vor einem anstehenden weltweiten Proteinmangel warnte, wurde Spirulina einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Von der UNESCO wurde die Alge als „Lebensmittel der Zukunft“ bezeichnet. Heute ist Spirulina weltweit bekannt. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel, Super Food und Heilmittel vertrieben. Sogar in der Kosmetik und in der Raumfahrt kommt es inzwischen zum Einsatz.

Chancen und Risiken der Spirulina-Nutzung

In der vollwertigen Ernährung nach Prof. Leitzmann gewichtet man Lebensmittel auf vier tragende Säulen: Wirtschaft, Ökologie, Soziales und Gesundheit. Sie werden gleichwertig betrachtet und den kulturellen Gegebenheiten angepasst. So ergibt sich ein ganzheitliches Bild der Ernährung. Für den Spirulina-Anbau heißt das:

Ökologie

Durch seine hohe Teilungsrate ist die Spirulina-Ernte täglich möglich. Der Ressourcen-Verbrauch ist marginal. Im Vergleich zu Soja schafft es die Alge auf unfruchtbarem Boden 26-mal mehr Eiweiß zu produzieren und dabei fünfmal weniger Wasser zu verbrauchen.

Wird die Alge in Deutschland angebaut, ist Wärmezufuhr nötig; bei 35°C fühlt sie sich am wohlsten. Spirulina ist ein alkalisches Lebensmittel, der pH-Wert liegt über 10. Pflanzenschutzmittel sind beim starken Wachstum und unter diesen Bedingungen nicht nötig.

Bei der Aufnahme von Umweltgiften besteht die Gefahr der Verunreinigung. Daher sollte das Wasser, in dem der Anbau erfolgt, nicht durch Schwermetalle oder ähnliches belastet sein. Spirulina kann sowohl Schwermetalle aus dem Körper leiten, wie auch Unreinheiten aus der Umwelt, in der sie wächst aufnehmen. Spirulina könnte also auch eingesetzt werden, um die Umwelt zu entgiften.

Die Kulturbedingungen sowie die Herkunft spielen bei der Spirulina-Nutzung eine große Rolle für die Qualität. Verunreinigungen finden vor allem statt, wenn es in das Becken herein regnet, wie es beim großindustriellen Anbau der Fall ist.

Soziales

Beim Anbau von Spirulina wird nur leichte körperliche Arbeit abverlangt, die Produktivität und der Lowtech-Anbau erlauben einen breiten Zugang zur Spirulina-Kultivierung. Viele Projektträger weltweit richten die Spirulinazucht auf Frauen in Entwicklungsländern aus. Meist findet der Anbau dort statt, wo der Verzehr einen gesundheitlichen Vorteil für die Bevölkerung hat. Ein Beispiel sind hier Mutter-und-Kind Zentren in Afrika und Indien.

Beim Spirulina-Anbau macht eine Automatisierung wenig Sinn. Die vollautomatische Sprühtrocknung, die bei Industrie-Spirulina zum Einsatz kommt, steht im Gegensatz zur schonenden Rohkost-Trocknung in kleinbäuerlichen Betrieben, für die mehr Arbeitsschritte sowie Mitarbeiter benötigt werden. Die Art der Trocknung hat einen großen Einfluss auf die Qualität und den Geschmack des Endprodukts.

Kultur und Vertrieb von Spirulina können so aufgebaut werden, dass sie einen positiven sozialen Impact haben. Dies ist besonders der Fall, wenn Einrichtungen wie die Lebenshilfe mit der Verpackung und Veredlung der Alge beauftragt werden.

Wirtschaft

Bereits am Tag der Ernte das fertige Produkt in Händen zu halten ist ein ganz klarer wirtschaftlicher Vorteil. Hinzu kommt die lange Haltbarkeit von mindestens zwei Jahren bei lichtgeschütz und luftdicht verpackten Spirulina-Algen.

Je nach Anlage, Technik, Personalaufwand und Größe kann eine Spirulina Farm innerhalb der ersten Jahre kostendeckend sein. In Frankreich gibt es bereits über 200 solcher kleiner Farmen.

Spirulina gibt es inzwischen in den verschiedensten Formen zu kaufen. Die Produktpalette reicht von roh getrocknetem Granulat als Gewürz über frischen Kuchen bis hin zu Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel. Hinzu kommen Spirulina-haltige Convenience-Produkte wie Vitamingetränke und Proteinriegel sowie Kosmetika.

Die Wirtschaftlichkeit besteht in der hohen Produktivität beim Anbau, der langen Haltbarkeit und in der Vielfalt der Möglichkeiten der Weiterverarbeitung.

Gesundheit

Der gesundheitliche Aspekt ist ein Thema für sich. In erster Linie ist Spirulina als Lebensmittel zu sehen. Im Fall von Krankheiten oder akuten Symptomen wird es keine konkrete Wirkung zeigen. Es dient jedoch der Stärkung des Körpers. Hauptgrund hierfür ist der hohe Anteil von Antioxidantien und Nährstoffen sowie der hohe Eiweißgehalt.

Die Algen sind besonders reich an assimilierbaren Mineralien, u.a. Eisen. So werden sie beispielsweise schon lange Zeit zur begleitenden Behandlung mangelernährter Kinder eingesetzt.

Zahnärzte empfehlen Spirulina zur Ausleitung von Schwermetallen nach der Entfernung von Amalgam-Füllung.

Fazit

Spirulina ist ein Lebensmittel, das vielfältig zum Gesundheitserhalt beitragen kann. Da es sich um ein natürliches Produkt handelt und die Inhalte schwanken können, findet es noch wenig medizinische Anwendung. Wie die UN bereits in den 70ern erkannte, handelt es sich bei den blau-grünen Algen um ein Lebensmittel mit Zukunft. Jedoch hängt seine Nachhaltigkeit von der Art des Anbaus und der Weiterverarbeitung ab.

Wir als Spirulina-Pioniere sind ganz auf vollwertige Ernährung bedacht. Wir bemühen uns, dieses Leitbild umzusetzen und vollwertige Spirulina-Produkte anzubieten.